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Generation Z

Es gibt viele Vorstellungen und Studien darüber, wie die Generation Z tickt – die Digital Natives. Jeder weiß mittlerweile, dass auf Facebook kaum noch jemand unter 18 angemeldet ist. Wir wollten genauer wissen, wie das ist, wenn man mit all den Netzwerken und Technologien aufwächst, die für viele Erwachsene kaum zu überschauen sind. Deshalb haben wir unsere Schülerpraktikanten einfach mal gefragt: Phoebe (15) und Lucas (16).

Verstärker: Moin Phoebe und Lucas. Ihr seid „Digital Natives“ – Herzlichen Glückwunsch!
Phoebe: Ja, man sagt häufig, dass wir im „Zeitalter des Internet“ aufwachsen, oder dass wir das „in die Wiege gelegt“ bekommen haben, weil wir es alles schon können.
Lucas: Die Lehrer nennen uns eher „Handy-Zombies“.

Verstärker: Seid ihr Handy-Zombies?
Lucas: Mehr oder weniger – wir kommunizieren viel darüber.
Phoebe: Bei uns in der Schule gibt es ein Handyverbot, weil viele Leute nur noch auf ihre Handys geschaut haben. Jetzt dürfen wir die nur noch in einer bestimmten Zone benutzen.

Verstärker: Ihr sagt “Handy”? Ganz schön altmodisch, oder?
Lucas: Im Gegenteil: “Smartphone” ist zu lang und klingt irgendwie lächerlich.

Verstärker: Zurück zum Handy. Was tippt ihr denn da den ganzen Tag?
Lucas: Gerade mit Freunden, die vielleicht weiter weg wohnen. Wenn man dann zusammen was plant kann man sich schnell austauschen. Und manchmal kann man auch einfach schneller tippen, als man es sagen könnte. Generell geht es einfach schneller, auch mit Fotos und Emojis.

Verstärker: Macht ihr jemals „handyfrei“?
Lucas: Ja definitiv! Beim Sport zum Beispiel.
Phoebe: Es gibt Phasen, wo man nicht so viel schreibt. Aber auch Situationen, wo man sein Handy einfach braucht. Lehrer von AGs zum Beispiel kommunizieren viel mit dem Handy, deshalb gehört das zum Alltag. Wenn man einen Tag kein Handy benutzt, dann wird man förmlich überflutet mit Informationen und Nachrichten.

Verstärker: Ihr müsst also immer erreichbar sein, stresst das nicht?
Phoebe: Ich mach ganz bewusst immer mal wieder mein Handy für ein paar Stunden aus, wenn nichts Dringendes ansteht. Wer mir in dieser Zeit schreibt, kann warten. Aber ich würde schon sagen, dass es das Potenzial hat, einen unter Druck zu setzen, wenn man das Gefühl hat, dass man antworten muss wenn jemand schreibt, oder das man was verpasst, wenn man nicht auf sein Handy schaut.
Lucas: Ja, und gerade wenn man unterwegs ist, würde ich sagen dass es extrem wichtig ist, dass man sein Handy immer dabeihat, falls man noch was besorgen soll, oder irgendwo anders hinkommen soll. Deswegen ist es auch schwierig, wenn man es zwei Wochen zur Reparatur geben muss oder so, weil dann auch wirklich was fehlt. Gerade wenn man Freunde hat, die weiter entfernt wohnen, wird es kritisch.

Verstärker: Seit wann seid ihr “online”?
Phoebe: Seit ich ein Handy habe, also seit der sechsten Klasse. Seitdem habe ich Whatsapp, Instagram ist später dazugekommen.
Lucas: Seit es die ersten iPods gab. Das hat mit Spielen angefangen. Mit der Zeit hat es sich dann weiter entwickelt und auch das Angebot wurde größer.

Verstärker: Zu unserer Schulzeit gab es noch gar keine Handys – wie haben wir wohl gelebt?
Lucas: Da habt ihr euch eben vorher ausgetauscht und verabredet. Bei uns ist es so, wenn wir im Bus sitzen oder beim Essen, dann schreiben wir kurz, wann und wo wir uns treffen. Das ist schon eine verbindliche Zusage, aber man könnte auch schnell eine Stunde vorher absagen.
Phoebe: Ich habe viele Freunde, mit denen ich mehr schreibe, als ich mich treffe, weil wir auch mit dem Handy gut kommunizieren können. Man braucht auch nicht so viel Zeit, weil man nirgendwo hin muss.

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SOCIAL LIFE

Verstärker: Glaubt ihr, dass ihr mehr Bekannte habt, als wir früher?
Lucas: Ja, mein Bekanntenkreis ist komplett in Deutschland verteilt, auch durch den Sport lernt man Leute kennen, und über Whatsapp, Instagram oder Facebook bleibt man dann in Kontakt. Und dadurch, dass man ständig mit denen Kontakt hat, lernt man sie auch besser kennen.

Verstärker: Ist es ein Vorteil, wenn man mehr Kontakte haben kann, die in ganz Deutschland oder der ganzen Welt verteilt sind?
Phoebe: Ich find es auf jeden Fall gut. Ich habe auch Freunde in Amerika, und mit denen kann ich einfach viel besser kommunizieren, wenn ich mal ein Bild von denen sehe, oder mal kurz eine Nachricht schreiben kann, was gerade bei mir los ist. Dann muss ich nicht anrufen, man kann sich viel entspannter und viel schneller austauschen, so wie man das sonst nicht könnte.

Lucas: Ich habe eine Großtante in Australien, das ist Whatsapp total praktisch. Wir haben eine große Whatsapp Gruppe mit der ganzen Familie, so kann man sich mit denen unterhalten, und von der anderen Seite der Welt sehen, was dort passiert, was sie dort unten machen und wie sie leben.

Verstärker: Wenn ihr irgendwo hinreist, wisst ihr aus dem Netz und über Freunde ja schon sehr viel darüber, wie es da ist. Ist Reisen heutzutage wohl so spannend, wie früher?
Phoebe: Auf jeden Fall. Man kann zwar bei Google Maps angucken, wie es da aussieht, man kann sich sehr darüber informieren, aber die Sachen, die da passieren, und was man tatsächlich sieht, kleine Orte die man entdeckt, sind doch immer anders und persönlicher.

Lucas: Auch wie die Leute auf einen reagieren, wie die Atmosphäre ist, kann man zwar auch auf Bildern sehen, aber es ist viel schöner, wenn man es selbst erlebt.
Phoebe: Ich würde auch fast sagen, dass die Reiselust noch größer wird, wenn man dauernd Fotos sieht, wie es woanders ist, möchte man noch lieber dahin. Das ist auch was Cooles, wenn man schon so eine Vorstellung davon hat.

Verstärker: Man sagt, dass jeder von uns ein „kuratiertes Leben“ führt.
Lucas: Ja, also eher ein aufgesetztes Leben.

Verstärker: Man wählt sorgfältig aus, was man von sich zeigt und was nicht. Setzt euch die Scheinwelt auf Instagram manchmal unter Druck?
Lucas: Nein, also ich finde es eigentlich schön zu sehen, was die Leute so erleben und wo sie gerade sind. Und später habe ich vielleicht auch Lust dort dann hinzufahren, aber es sind immer nur die Highlights im Leben, die man sieht und postet, und nicht die anderen Seiten.
Phoebe: Und bei Instagram weiß man ja auch selber, dass alle nur die Fotos von sich posten, die sie auch mögen. Wenn man das weiß und damit umgehen kann, geht das.
Phoebe: Ja, und man kriegt einfach mehr mit, und kann es weiter ausführen indem man miteinander schreibt. Instagram ist für mich eher eine Ergänzung als ein ganzes Bild.

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SOCIAL MEDIA & DATENSCHUTZ

Verstärker: Was nutzt ihr denn sonst, außer Instagram und Whatsapp?
Lucas: Snapchat, zum Beispiel.

Verstärker: Nutzt ihr das viel?
Lucas: Ja, also regelmäßig. Gerade während der Praktika ist es ganz cool, dass man einfach ganz kurz zeigen kann, wo man arbeitet und was man macht. Dann kann man sich kurz miteinander austauschen, damit man auf dem gleichen Stand ist. Facebook habe ich jetzt aber vor einem Jahr gelöscht, weil ich das einfach zu überflüssig und aufwändig fand.

Verstärker: Wie lange warst du vorher bei Facebook?
Lucas: Ich glaub anderthalb Jahre. Nicht so lange, aber ich fand es immer aufwändiger. Und auch die immer lockeren Datenschutzerklärungen gefielen mir nicht.

Verstärker: Whatsapp gehört ja zu Facebook, ihr seid also eher keine Datenschutz-Rebellen, oder?
Lucas: Man muss letztendlich Kompromisse machen. Und muss sich vorher überlegen, was man reinstellt und wem man was schickt.
Phoebe: Man muss einfach wissen, dass alles mitgelesen wird, das alles gespeichert wird. Wenn man das weiß, und sich dementsprechend überlegt, was man preisgibt, kann man auch ganz gut damit leben.

Verstärker: Datenschutz – seid ihr darüber sehr aufgeklärt? Interessiert euch das Thema?
Phoebe: Es interessiert mich schon, und ich bin auch ziemlich gut darüber aufgeklärt, aber ich denke, ich achte trotzdem nicht genau genug darauf. Z. B. benutze ich auch Whatsapp, obwohl ich weiß, dass da die Daten gespeichert werden. Whatsapp braucht man aber fast schon, weil alle Freunde da sind, und wir auch zum Beispiel eine Klassengruppe haben, wo viel über die Schule geschrieben wird. Aber so was wie Facebook braucht man nicht, weil keiner das benutzt. Ich hatte noch nie Facebook, und mir hat es noch nie gefehlt.

Verstärker: Was ist der Hauptgrund, warum Facebook für euch uninteressant ist?
Phoebe: Es benutzen einfach zu wenig Freunde von mir.
Lucas: Ja, auch und weil es sehr aufwändig ist, sein Profil zu verwalten. Da muss man auch immer gucken, was man vorher gepostet hat. Bei Whatsapp gibt es dagegen nur ein Profilbild und einen Status, das war‘s auch schon.

SCHULE DIGITAL

Verstärker: Stimmt es, dass an der Schule Powerpoint Pflicht bei Referaten ist?
Phoebe: Ja, das ist Standard.
Lucas: Mit Powerpoint, Excel und Word müssen wir umgehen können.

Verstärker: Hattet ihr speziellen Unterricht, oder ging‘s einfach los?
Lucas: In der fünften Klasse hatten wir eine kleine Einführung, und im Informatik-Kurs konnte man das vertiefen. Wir wurden also nicht ins kalte Wasser geworfen.
Phoebe: Bei uns haben die Lehrer am Anfang zwar Fehler in Powerpoint kommentiert, aber dafür keine Punkte abgezogen. Jetzt wird aber erwartet, dass es professionell aussieht.

Verstärker: Das klingt so, als würden alle Schüler einen eigenen Computer brauchen. Haben Kinder aus wohlhabenden Familien es dadurch manchmal leichter?
Phoebe: Ich habe keinen Laptop, aber ein iPad. Damit kann ich zwar ganz gut Texte schreiben, aber für Powerpoints muss ich an den Familienrechner. Die Lehrer haben aber Verständnis dafür, wenn jemand keinen Computer hat, oder in einem Dorf wohnt, wo es kein WLAN gibt.
Lucas: Wenn man zu Hause einen super Computer hat, ist es bestimmt ein Vorteil, aber sonst kann man das auch in der Schule erledigen. Am Ende zählt auch nur der Inhalt.

Verstärker: Wie viel Zeit verbringt ihr täglich in der Schule?
Phoebe: Sieben Schulstunden, plus Pausen.
Lucas: Sieben bis acht richtige Stunden.

Verstärker: Ein voller Arbeitstag. Hast du noch AGs oder wieso?
Lucas: Ja, ich habe tatsächlich fast jeden Tag acht Schulstunden, mit Pausen dazwischen, auch ohne AGs.

TV, YOUTUBE & WERBUNG

Verstärker: Ist es richtig, dass in eurer Generation praktisch niemand mehr Fernsehen schaut?
Phoebe: Auf mich trifft das zu, wir haben gar keinen Fernseher zuhause.
Lucas: Bei uns stimmt das nicht, viele meiner Freunde schauen Fernsehen. Aber zunehmend online.
Phoebe: Wir gucken auch über iTunes oder Amazon Serien und Filme, deswegen hatte ich noch nie das Gefühl, dass etwas fehlt.

Verstärker: Wenn ihr was guckt, schaut ihr die Werbung mit?
Phoebe: Eigentlich nicht, wenn es sich vermeiden lässt. Auch bei YouTube warte ich nur immer darauf, dass man die Werbung wegklicken kann. Werbung nervt mich meistens.

Verstärker: Das geht vielen so.
Phoebe: Ich glaube, viele Leute wissen, warum Werbung kommt, aber man möchte trotzdem nicht gerne warten, bis es weiter geht.

Verstärker: Was haltet ihr allgemein von Werbung?
Lucas: Manchmal finde ich sie interessant, aber es kommt immer darauf an, welches Produkt vorgestellt wird und auf welche Art und Weise. Aber teilweise ist sie echt ein bisschen lästig. Und wenn sie nicht gut gemacht ist, ist es einfach nur lächerlich.
Phoebe: Ich gucke echt kaum Werbespots, weil wir keinen Fernseher haben. Und wenn ich mal YouTube gucke, kommt nicht immer Werbung, und wenn ja kann man sie meistens überspringen.

Verstärker: Gibt es irgendwelche YouTuber, die ihr euch regelmäßig anschaut?
Lucas: Ja, es gibt eine australische Gruppe, die alles Mögliche macht, und die ganz lustig ist. Aber nicht auf zwangsweise, dass ich unbedingt alles gucken muss, was die posten und machen.
Phoebe: Ich mach das auch meistens nur, wenn ich mit den Hausaufgaben fertig bin und mich entspannen möchte. Aber es ist auf keinen Fall so, dass ich jeden Tag erst mal gucken muss, was es Neues gibt.

Verstärker: Wenn YouTuber Produkte vorstellen, also Werbung machen, stört euch das dann auch?
Phoebe: Insgesamt gucke ich solche Videos kaum. Aber ich finde es nervig, wenn sie nicht sagen, dass es Werbung ist, wenn sie so tun, als wären das ihre eigene Auswahl. Ich finde sie müssen aber echt sagen, dass es durch Product Placement finanziert ist.
Lucas: Oftmals arbeiten die an diesen Videos und verdienen nur damit ihr Geld, deswegen finde ich es nicht schlimm, wenn sie ihr Geld so verdienen. Meistens sagen sie ja auch, dass es gesponsert ist.

Verstärker: Habt ihr schon mal auf ein Werbebanner geklickt?
Phoebe: Nein.
Lucas: Nur aus Versehen.

Verstärker: Und gibt es online irgendeine Werbung, die euch anspricht, oder wo ihr
etwas nur aus dem Grund gemacht habt?
Lucas: Durch Instagram, wenn bestimmte Personen was getragen haben. Aber nicht durch die Werbung, die am Rand ist.
Phoebe: Ja, es sind eher die Schleichwerbungen, sie einen ansprechen, als die richtigen.

Verstärker: Hört ihr jemals Radio? Was sagt ihr zu Radiowerbung?
Lucas und Phoebe: Ja, im Auto.
Lucas: Radiowerbung finde ich störend. Wenn der Sprecher auch noch eine nervige Stimme hat, kann es einem echt die Laune verderben.
Phoebe: Ich schalte immer um, wenn Werbung kommt.

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PRINT

Verstärker: Gibt es Magazine, die ihr regelmäßig lest oder abonniert habt?
Phoebe: Ich lese Zeitung, keine Magazine.
Lucas: Ich lese auch Zeitung, und wir haben auch für die Familie den Spiegel abonniert.

Verstärker:
Warum lest ihr Zeitung?
Phoebe: Größtenteils, weil es in der Schule von uns erwartet wird, dass wir einfach wissen, was gerade in der Welt passiert. Lehrer sprechen auch ziemlich oft Themen an, die gerade aktuell sind.
Lucas: Ich finde es auch einfach interessant. Gerade die Lage jetzt, mit den Flüchtlingen, da finde ich es wichtig, auf dem neusten Stand zu sein. Und auch Politik ist ein Thema, das mich sehr anspricht.
Phoebe: Man muss einfach wissen, was in der Welt passiert. Sonst ist man auch hilflos und weiß gar nichts. Außerdem werden wir auch langsam älter, und müssen und irgendwann mit einbringen, da ist es schon gut, wenn man auch was darüber weiß.

Verstärker: Postet ihr öffentlich eure Meinung, also wenn ihr zum Beispiel etwas lest, was euch wütend macht?
Phoebe: Eher nicht.
Lucas: Teilweise. Es kommt darauf an, was die anderen schreiben und wie sie es schreiben und zu welchem Thema.

Verstärker: Vielen Dank, Phoebe und Lucas!

Autorin: Liesbeth Meyer
Illustrationen: Lotta Meyer
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